Mit Phantasiereisen gegen Parkinson

Können Phantasiereisen helfen, die Beweglichkeit von Parkinson-Patienten zu verbessern? Eine Studie einer israelischen Forschungsgruppe kommt zum Ergebnis: Phantasiereisen sind ein vielversprechender Behandlungsansatz für die Parkinson-Erkrankung.

Die Parkinson-Krankheit tritt vor allem bei älteren Menschen auf, kann aber auch junge Erwachsene betreffen. Ein prominentes Beispiel dafür ist der Schauspieler Michael J. Fox (“Zurück in die Zukunft”), der bereits im Alter von 30 Jahren an der Parkinson-Krankheit erkrankte. Die “Schüttellähmung” zählt mit etwa 350.000 Betroffenen zu den am häufigsten vorkommenden Nervenerkrankungen in Deutschland. Sie macht sich durch eine allgemeine Muskelsteife und langsame Bewegungen, Zittern, Gangunsicherheit und Gleichgewichtsstörungen bemerkbar. Oft treten auch psychische Beeinträchtigungen wie Depressionen oder verlangsamte Denkabäufe hinzu. Ursache für die Erkrankung ist das Absterben von Nervenzellen im Gehirn, wodurch ein Mangel an Botenstoffen wie Dopamin oder Serotonin entsteht, die für eine normale Beweglichkeit unverzichtbar sind.

Ein israelisches Forschungsteam um Dr. Ilana Schlesinger und Orna Benyakov überprüfte in einer Pilotstudie mit 21 Parkinson-Patienten [1], ob Phantasiereisen messbare Auswirkungen auf die Parkinson-Symptomatik haben. Phantasiereisen sind bis zu 30 Minuten lange Hörspiele, in denen der Zuhörer aufgefordert wird, sich bestimmte Dinge vorzustellen – etwa durch einen Wald zu gehen, angenehme Düfte oder Klänge wahrzunehmen – oder auf seine Körperwahrnehmung zu achten. Dadurch tritt eine messbare Entspannungsreaktion ein, die offensichtlich auch die Symptome der Parkinson-Erkrankung bessern helfen kann, so die Forschergruppe. Phasen mit verringerter Beschwerdesymptomatik, sogenannte „on“-Zeiten, ließen sich im Schnitt um etwa ein Drittel verlängern – ein Ergebnis, das zu weiteren Versuchen ermutigt.

Bereits 2009 hatte ein anderes von Dr. Schlesinger geleitete Forscherteam festgestellt, dass Phantasiereisen enorm wirkungsvoll sind, um das Händezittern von Parkinson-Patienten über einen Zeitraum von 2 – 14 Stunden zu verbessern – und zwar „dramatisch, bei allen 20 Patienten“ [2]. Das Anhören von Entspannungsmusik führte nicht zu vergleichbar deutlichen Effekten. Aber wie kann es sein, dass pure Vorstellung die Symptome einer degenerativen Erkrankung verbessern kann?

Imagination bewirkt Regulation

Vorstellungsbilder können ganz leicht messbare körperliche Reaktionen auslösen. Imaginationen, wie Phantasiereisen sie nutzen, aktivieren die emotionalen Systeme des Gehirns. Sie wiederum stimulieren eine Fülle von Nervenaktivitäten und Hormonausschüttungen, wodurch eine wirkungsvolle Stressdämpfung, ein Abbau von Angst und Spannung und eine Stimmungsaufhellung stattfinden können. Das extrapyramidal-motorische System, das bei Parkinson-Patienten beeinträchtigt ist, ist in diese Steuerungsvorgänge mit eingebunden. Durch diese Kommunikation zwischen emotionalen und motorischen Verarbeitungssystemen kann ein angenehmes Vorstellungsbild Veränderungen der Muskelspannung bewirken.

Für Parkinson-Patienten ist das ganz sicher eine gute Nachricht – und man darf gespannt sein, was das israelische Forschungsteam künftig noch über die positiven Effekte von Phantasiereisen auf motorische Störungen herausfindet.

Quellen/Links:

[1] – Schlesinger, I./Benyakov, O./Erikh, I./Nassar, N.: Relaxation guided imagery reduces motor fluctuations in Parkinson’s Disease, in: Journal of Parkinson’s Disease, Januar 2014, S. 431-6; Link (Abstract): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24685702#

[2] – Schlesinger, I./Benyakov, O./Suraiya, S./Schiller, Y.: Parkinson’s disease tremor is diminished with relaxation guided imagery, in: Movement Disorders Nr. 24 (14), S. 2059-62, 30. Okt. 2009. Link (Abstract): http://www.positivehealth.com/research/schlesinger-and-colleagues

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