Ist Stress gesundheitsschädlich?

 

Was würden Sie sagen? Ja oder Nein? Ich stelle diese Frage gern in meinen Entspannungskursen – und das aus gutem Grund. Wenn Sie fest davon überzeugt sind, dass etwas Ihnen schadet, dann wird Ihr Körper entsprechende Symptome produzieren. Das nennt man einen „Nocebo-Effekt“. Er ist so etwas wie der dunkle Zwilling des Placebo-Effektes, bei dem es zur Verringerung von Krankheitssymptomen kommt, wenn man eine unwirksame Substanz einnimmt, aber fest von ihrer Heilwirkung überzeugt ist. Es ist deshalb aus ganz praktischen Gründen wichtig zu wissen, was Stress eigentlich ist, und angstbesetzte Vorstellungen über Stress hinter sich zu lassen, die Ihnen mehr schaden als nützen. Sich über Stress und mögliche Stressfolgen zu informieren, ist nötig – auf Stresssymptome mit Angst zu reagieren nicht.

Was soll der Stress?

Die Stressreaktion ist eine phänomenale Fähigkeit, die Sie besitzen – die Fähigkeit des Gehirns, Ihr Körper-Psyche-System in Sekundenbruchteilen in höchste Leistungsbereitschaft zu versetzen. Das ist normal, dafür wurde Ihr Körper gebaut, das kann er verkraften. Stress kann sogar positive Effekte haben. Stress – so hat es die Evolution vorgesehen – motiviert uns, nach neuen, passenderen Lösungen zu suchen, uns anzupassen, aus Erfahrung zu lernen, Gefahren zu meiden. Das ist eine prima Idee, wenn Sie mich fragen. Und wir können ihm ohnehin nicht aus dem Weg gehen, da die biologischen Programme, die die Stressreaktion in Gang setzen, fest zu unserem „Betriebssystem“ gehören. Jeder Mensch erlebt Stress – einfach weil er es kann. Aber nicht jeder wird krank davon. Warum?

Wann macht Stress krank?

Dass die Dosis entscheidet, ob etwas schädlich oder heilsam ist, wusste nicht nur Paracelsus – diese Idee finden wir auch schon bei Heilern der Antike. Mit Stress ist es nicht anders. Leichter bis mittlerer Stress wirkt anregend, mobilisiert Ressourcen, steigert die Leistungsfähigkeit. Wird er zu intensiv, lähmt er, und Gefühle von Überforderung und Ohnmacht gewinnen die Oberhand. Sehr intensiver Stress, wie er in Extremsituationen auftritt, kann zu psychischen und körperlichen Erkrankungen führen. Das gilt auch für sehr lange anhaltenden Stress ohne ausgleichende Erholung und Entspannung. Kurz:

Stress macht krank, wenn er

  • nicht durch Erholung ausgeglichen wird,
  • zu lange andauert,
  • zu intensiv ist,
  • mit anderen Risikofaktoren wie Bewegungsmangel, Fehlernährung oder Substanzmissbrauch zusammenwirkt.

Wie Sie Ihr „Wohlfühl-Stresslevel“ erreichen

All diese Einflussgrößen lassen sich verändern. Es besteht also erst einmal kein Grund, Stress zu fürchten oder ihn um jeden Preis zu vermeiden. Sie können lernen, alltäglichen Stress zu nutzen und in einem leistungsfördernden Bereich zu halten. Manchmal muss man ihn dazu dämpfen – und er sollte immer durch Entspannung und Erholung wieder ausgeglichen werden. Wenn Sie lernen, Ihr Stresslevel zu kontrollieren, können Sie leichten Stress sogar als angenehm empfinden: Eine optimale Balance zwischen Überforderung und Unterforderung erzeugt ein Flow-Erleben, bei dem Sie sich ganz auf Ihre Tätigkeit konzentrieren und die Erfahrung machen, dass man Aufgaben auch mit Leichtigkeit und Spaß erledigen kann. Stress reduzieren können Sie auf vielen Wegen. Hier einige Beispiele:

  • Sie lernen ein Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelentpannung oder Autogenes Training. Dadurch reagieren Sie gelassener auf Stressauslöser und können Ihr Stresslevel in herausfordernden Situationen dämpfen.
  • Sie lernen, Situationen, die Sie belasten, anders zu bewerten, stresserzeugende Denk- und Verhaltensmuster zu verändern – das sogenannte kognitive Stressmanagement. Dabei lernen Sie auch Einstellungen und Überzeugungen, die Ihnen den Umgang mit Stress erleichtern.
  • Ausdauersportarten wie Schwimmen, Laufen, Walken oder Radfahren bauen Stress-Spannungen ab, regen das Immunsystem an und sorgen für bessere körperliche Leistungsfähigkeit – das steigert auch die Widerstandskraft gegen Stress und Depressionen.

Sie sehen also: Sie müssen Stress nicht um jeden Preis vermeiden, sondern können ihn als unvermeidlichen Teil des Lebens annehmen und nutzen, um widerstandsfähiger und gelassener zu werden. Es besteht kein Grund, sich vor Stress zu fürchten, solange Sie damit konstruktiv umgehen. Und damit können Sie jetzt gleich beginnen: In meinen Kursprogrammen „Autogenes Training nach J.H. Schultz – Grundstufe“ und „Progressive Muskelentspannung nach Jacobson“, zu denen Sie sich jederzeit anmelden können. Neue Kurse starten im April. Oder Sie nehmen eine Stress-Beratung oder ein Stress-Coaching in Anspruch, in dem wir ganz individuell auf Ihre Situation eingehen können.

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